Dienstag, 31. Dezember 2013

Kulinarische Entjungferung in drei Stunden: Landhaus Spatzenhof

Ich wurde entjungfert. Fast drei Stunden lang. Südostlich von Remscheid. Es war ein Genuss. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Zu verdanken habe ich es dem Landhaus Spatzenhof. Mein erster Besuch in einem Sterne-Restaurant! Auch wenn es nur ein TWENÜ war, konnte man einen Eindruck davon bekommen, was Philipp Wolter am Herd so alles drauf hat. Für 59 Euro bekommen junge Leuter unter 30 Jahren in ausgewählten Restaurants ein 3-Gänge-Menü inklusive Wein, Wassser und Kaffee.

Seit drei Jahren verteidigt das Küchenteam seinen Michelin-Stern. Im Restaurant angekommen, hat man das Gefühl in einem gemütlichen Wohnzimmer Platz genommen zu haben. Die Inneneinrichtung wirkt ungezwungen und passend zu einem Landhaus.

Das TWENÜ startete vorab mit einer erfrischenden Tomatenmousse. Sommerlich leicht und fruchtig-säuerlich würde man diesen kleinen Appetizer eher im Sommer und nicht Ende Dezember erwarten. Nichtsdestotrotz ein netter kleiner Gaumenkitzler.

Tomatenmousse mit Tomatensalat         


Winterlich wurde es dann bei der Vorspeise. Die Maronensuppe mit karamellisierten Rosenkohlblättern überzeugte mit ihrer perfekten Konsistenz. Cremig und sämig zugleich, ohne dabei am Löffel zu kleben. Das leicht süßliche und nussig Grundaroma der Maronen ergänze sich mit den bitteren und knackigen Rosenkohlblättern sehr gut.

Maroensuppe mit karamellisierten Rosenkohlblättern
Ein üppiger Gruß aus der Küche folgte mit selbstgemachten Ravioli mit Bergkäse gefüllt, Kräuterschaum, Schwarzwurzeln, Röstzwiebeln und Trüffel. Regional genial. Grüne Frische durch den Schaum, pikante Würze durch den Bergkäse, einen vollen Umami-Geschmack durch die Trüffel und Röstzwiebeln und leicht säuerliche abgeschmeckte Schwarzwurzeln. Perfekt. Ein vegetarisches Gericht zum verlieben.

Ravioli mit Bergkäse, Kräuterschaum, Röstzwiebel, Schwarzwurzel und Trüffel
 Mit zweierlei vom Rind (Filet und Schmorfleisch) und Variationen von Roter Bete folgte der eigentliche Hauptgang des Menüs. Das Fleisch von guter Qualität harmonierte mit den erdigen Aromen der Rote Bete sehr gut. Die Rote Bete hier als Creme und  knackiges Gemüse verpasste dem Gericht eine gewisse Leichtigkeit, gleichzeitigt aber auch eine Eindimensionalität. Der ganze Teller schmeckte dank der Vielzahl an Gemüsesorten (Rote Bete, Kohlrabi, Radieschen, Möhrchen) sehr naturbelassen. Ein wenig Schärfe oder Süße an den einzelnen Komponenten hätten den Hauptgang spannender gemacht.

Zweirlei vom Rind und Variationen der Rote Bete

Zum Abschluss hätte ich mir gerne ein Dessert von der Karte gewünscht. Stattdessen konntem an sich aber am Dessertwagen aus einem Potpourri von klassischen Dessertvariationen bedienen. Die dreierlei Schokoladenmousse, Créme brulée und das exotische Kaffeeparfait waren allesamt grundsolide. Mehr nicht.

Dessert vom Dessertwagen

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